EN 16931: Die europäische Norm für die E-Rechnung einfach erklärt

Die EN 16931 ist die europäische Norm für elektronische Rechnungen. Teil 1 beschreibt ein Datenmodell aus Angaben (Business Terms, BT) und Gruppen (Business Groups, BG) mit Geschäftsregeln (BR). Zwei XML-Syntaxen sind zugelassen: UBL und CII. XRechnung, ZUGFeRD und Peppol BIS bauen auf der Norm auf.

Woher die Norm kommt

Die Richtlinie 2014/55/EU regelt die elektronische Rechnungsstellung bei öffentlichen Aufträgen. Sie führte zu einer europäischen Norm, die das Komitee CEN/TC 434 entwickelt hat (Europäische Kommission). Das FeRD nennt den 28. Juni 2017 als Datum der Veröffentlichung. Deutschland verweist seit der Pflicht zur E-Rechnung zwischen Unternehmen im Umsatzsteuergesetz auf diese Norm und die Syntaxliste der Richtlinie. Die Norm ist also nicht nur für Behörden wichtig, sondern auch für das Ausstellen und Empfangen im B2B-Verkehr.

Die Norm wird überarbeitet. Die Kommission meldete am 30. März 2026, dass CEN die Revision EN 16931-1:2026 gebilligt hat, unter anderem mit Anforderungen für die automatische Meldung von Umsatzsteuer (Newsroom). Das FeRD hat im Profil EXTENDED von ZUGFeRD 2.5 bereits eine Funktion aus dieser kommenden Fassung ergänzt. Für die Praxis in Deutschland gelten weiter die Versionen der Formatgeber: Die KoSIT hält XRechnung 3.0 bis mindestens 31. Juli 2027 in Kraft (Versionen und Bundles).

Die Teile der Norm

TeilInhalt
EN 16931-1Semantisches Datenmodell der Kernelemente einer elektronischen Rechnung. Dieser Teil ist die eigentliche Europäische Norm.
CEN/TS 16931-2Liste der Syntaxen, die dem Datenmodell entsprechen: UBL und CII.
CEN/TS 16931-3-2, 3-3, 3-4Syntaxbindungen: wie das Datenmodell in UBL 2.1, in UN/CEFACT CII D16B und in UN/EDIFACT INVOIC D16B abgebildet wird.
CEN/TR 16931-4Leitfaden zur Interoperabilität bei der Übermittlung.
CEN/TR 16931-5Leitfaden zu Erweiterungen für Branchen oder Länder.
CEN/TR 16931-6Testmethodik und Ergebnisse.

Die Übersicht stammt von der Seite Navigating the eInvoicing standard documentation.

Das Datenmodell: BT und BG

Das semantische Datenmodell beschreibt, welche Angaben eine Rechnung kennt und wie sie zusammenhängen. Es ist selbst kein XML. Es muss in eine Syntax abgebildet werden (Spezifikation XRechnung, Kapitel 4.11). Eine einzelne Angabe heißt Business Term (BT), eine Gruppe von Angaben Business Group (BG). Die Nummern sind in jeder Syntax und in jedem Werkzeug gleich. So steht BT-1 immer für die Rechnungsnummer. Die Gruppe BG-23, die Umsatzsteuer-Aufschlüsselung, enthält vier Angaben: BT-116 Bemessungsgrundlage, BT-117 Steuerbetrag, BT-118 Steuerkategorie und BT-119 Steuersatz.

NummerBedeutungFeld in UBLFeld in CII
BT-1Rechnungsnummercbc:IDrsm:ExchangedDocument/ram:ID
BT-10Käuferreferenz, bei Behörden die Leitweg-IDcbc:BuyerReferenceram:BuyerReference
BT-24Spezifikationskennung: welches Regelwerk giltcbc:CustomizationIDram:GuidelineSpecifiedDocumentContextParameter/ram:ID
BG-23Umsatzsteuer-Aufschlüsselung (BT-116 bis BT-119)cac:TaxSubtotalram:ApplicableTradeTax im Kopfbereich
BG-25Rechnungsposition, mit Positions-Nettobetrag BT-131cac:InvoiceLineram:IncludedSupplyChainTradeLineItem

Die Feldnamen stammen aus den Beispieldateien der KoSIT-Testsuite, die Bedeutung der Nummern aus der Spezifikation XRechnung. Im XRechnung Viewer zeigt der Reiter „Details“ zu jedem Feld die BT-Nummer.

Zwei Syntaxen: UBL und CII

Öffentliche Auftraggeber müssen Rechnungen in beiden Syntaxen annehmen und verarbeiten können. EDIFACT ist dafür nicht Pflicht (Europäische Kommission).

SyntaxVersionBindungVerwendet von
UBL (Universal Business Language)2.1, ISO/IEC 19845:2015CEN/TS 16931-3-2XRechnung, Peppol BIS Billing
CII (Cross Industry Invoice)UN/CEFACT, XML-Schemas D16BCEN/TS 16931-3-3XRechnung, ZUGFeRD
EDIFACT INVOICD16BCEN/TS 16931-3-4optional, nicht auf der Pflichtliste

Geschäftsregeln: BR-Regeln

Zu jeder Norm gehören Regeln, die eine Rechnung erfüllen muss. Sie heißen Business Rules und tragen eine ID. Jede Prüfung meldet die ID der verletzten Regel. Die Präfixe zeigen die Art der Regel:

PräfixArtBeispiel
BR- (z. B. BR-01)Pflichtangaben der RechnungBR-01: Die Spezifikationskennung (BT-24) fehlt.
BR-CO-Konsistenz und BerechnungBR-CO-15: Gesamtbetrag mit Umsatzsteuer (BT-112) = Betrag ohne Umsatzsteuer (BT-109) + Steuerbetrag (BT-110). Ähnlich BR-CO-10 für die Summe der Positionen.
BR-S-, BR-Z-, BR-E- u. a.Umsatzsteuer-KategorienBR-S-02: Bei Positionen mit Normalsatz braucht die Rechnung die USt-IdNr. oder Steuernummer des Verkäufers.
BR-CL-CodelistenBR-CL-23: Der Einheitencode muss der UN/ECE-Empfehlung 20 entsprechen.
BR-DE-Zusatzregeln der XRechnung, nicht Teil der EN 16931BR-DE-15: Die Käuferreferenz (BT-10) muss übermittelt werden.

Die Regeln der EN 16931 liegen als Schematron-Dateien im offiziellen Repository der Kommission (Lizenz EUPL-1.2). Die Regeln der XRechnung veröffentlicht die KoSIT. Alle Regel-IDs mit deutscher Erklärung finden Sie im Verzeichnis der Fehlercodes.

Hinweis zum Stand: Die Kommission führt laut ihrer Seite die Validierungsartefakte in Version 1.3.17 (veröffentlicht am 12. Oktober 2026, wirksam ab 15. November 2026). Unsere Werkzeuge prüfen noch mit Version 1.3.16, die in der Validator-Konfiguration der KoSIT enthalten ist.

CIUS und Extension

Eine CIUS (Core Invoice Usage Specification) engt die Norm für ein Land oder einen Bereich ein: Sie macht optionale Felder zu Pflichtfeldern, ergänzt Regeln und verkleinert Codelisten. Sie bleibt dabei „compliant“ zur EN 16931. Eine Extension fügt Felder hinzu, die das Modell nicht kennt, und ist „conformant“, aber nicht „compliant“ (Spezifikation XRechnung, Kapitel 4.4 bis 4.8; Europäische Kommission). Die XRechnung ist eine CIUS und hat zusätzlich eine Extension. Auch Peppol BIS Billing 3.0 ist eine CIUS.

FormatVerhältnis zur EN 16931Syntax
XRechnungCIUS, dazu eine optionale ExtensionUBL oder CII
ZUGFeRD, Profil EN 16931bildet die EN 16931-1 vollständig abCII
ZUGFeRD, Profile BASIC und EXTENDEDBASIC ist eine Untermenge, EXTENDED eine Erweiterung der EN 16931-1CII
Peppol BIS Billing 3.0CIUSUBL

Norm und Regeln prüfen

Der E-Rechnung-Prüfer wendet die offiziellen EN-16931-Regeln und, bei XRechnung, die deutschen Zusatzregeln an. Welche Formate die Norm erfüllen, steht unter E-Rechnung Format.

Quellen

Stand: . Rechtliche Angaben bitte vor Entscheidungen bei Steuerberatung oder Finanzamt prüfen. Dies ist keine Steuerberatung. Angaben zur Norm nach den Seiten der Europäischen Kommission und der KoSIT, abgerufen am 30. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Was bedeutet EN 16931?

EN steht für Europäische Norm. 16931 ist die Nummer der Normenreihe „Electronic invoicing“. Teil 1 (EN 16931-1) ist das semantische Datenmodell der Kernelemente einer elektronischen Rechnung. Entwickelt hat die Norm das Komitee CEN/TC 434 im Auftrag der Europäischen Kommission.

Ist die EN 16931 kostenlos?

Teil 1 (Datenmodell) und Teil 2 (Liste der Syntaxen) stehen aufgrund eines Lizenzabkommens zwischen Kommission und CEN kostenlos zur Verfügung. In Deutschland beziehen Sie sie über das DIN. Die übrigen Teile sind kostenpflichtig über die nationalen Normungsorganisationen erhältlich.

Ist die EN 16931 Pflicht?

Mittelbar ja. § 14 Abs. 1 Satz 6 UStG verlangt, dass das Format der Norm und der Syntaxliste der Richtlinie 2014/55/EU entspricht. Alternativ können Sie ein Format vereinbaren, das sich vollständig in ein EN-16931-konformes oder interoperables Format überführen lässt.

Was ist der Unterschied zwischen EN 16931, XRechnung und ZUGFeRD?

Die EN 16931 ist das gemeinsame Datenmodell. XRechnung ist eine deutsche Ausprägung (CIUS) mit zusätzlichen Pflichtfeldern und Regeln, als reines XML. ZUGFeRD verpackt eine XML nach EN 16931 in ein PDF/A-3. Beide liefern dieselben Rechnungsdaten in unterschiedlicher Form.

Was bedeutet ein Fehler wie BR-CO-15 oder BR-DE-15?

Das sind Regel-IDs der Prüfung. BR-CO-15 gehört zur EN 16931 und prüft, ob der Gesamtbetrag mit Umsatzsteuer der Summe aus Betrag ohne Umsatzsteuer und Steuerbetrag entspricht. BR-DE-15 gehört zur XRechnung und verlangt die Käuferreferenz. Die Fehlercodes erklärt das Verzeichnis.

Was ist eine CIUS?

Eine Core Invoice Usage Specification ist die Anpassung der EN 16931 an ein Land oder einen Bereich. Sie darf Felder zu Pflichtfeldern machen, Regeln ergänzen und Codelisten verkleinern, aber die Norm nicht erweitern. Beispiele sind XRechnung und Peppol BIS Billing 3.0.

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